Working Out Loud und Social Selling – Julia Weber im Interview

Julia Weber, seit April 2018 im Bereich Digital Change Orchestration bei der ZF Friedrichshafen AG am Bodensee tätig, war im Dezember 2017 schon einmal Interviewpartner von build’n’break. Damals haben wir Sie zu Working Out Loud (WOL) befragt und wie sie zu dieser Methode gekommen ist. Heute, ein Jahr nach unserem letzten Interview, trifft sich Marvin Schlieker von build’n’break ein weiteres Mal mit Julia Weber und fragt nach, wie sich ihre Geschichte zu WOL fortgeschrieben hat und wie sie das im Zusammenhang mit Social Selling sieht.

bnb:        
Erzähle in 3 Sätzen was sich für Dich seit unserem letzten Interview verändert hat?

Julia:    
Working Out Loud ist fester Bestandteil meiner Arbeitsweise. Das heißt, ich konnte meine Art zu arbeiten so verändern, dass ich nun nicht mehr ständig daran denken muss, wie WOL in meine Arbeit integriert werden kann. Außerdem konnten wir bei ZF Working Out Loud weiterentwickeln und weiter bekanntmachen und seit einem Jahr arbeiten wir in einem Co-Creation Team am Thema Working Out Loud.

bnb:     
Welches Element aus WOL hat Dich rückblickend bisher am meisten geprägt und warum?

Julia:    
Sichtbarkeit. Mache dich und deine Arbeit sichtbar. Es ist für viele Menschen unangenehm sich zu exponieren und sichtbar zu machen. Von manchen Kollegen höre ich: „Ich möchte mich nicht noch sichtbarer machen. Ich werde jeden Tag schon so mit Emails und Anrufen zugeschüttet, da komme ich ja gar nicht mehr zu meiner eigentlichen Arbeit“. Dabei hätten sie so eine Möglichkeit ihr Wissen zu externalisieren, und such- und auffindbar zu machen, was wahrscheinlich Emails und Anrufe drastisch reduzieren würde. Aber es ist unangenehm für uns. Mir ging es genauso. Die Erkenntnis, dass ich einfach intern veröffentliche, woran ich arbeite, welche Ideen ich habe oder, dass ich auf der Suche nach etwas bin und so ganz anders arbeiten kann, hat mich fasziniert. Vor allen Dingen die Tatsache, dass ich von den unterschiedlichsten Personen kontaktiert werde, die mir helfen können, von denen ich es nicht erwartet hätte. Vielleicht weil ich sie nicht kannte oder, weil ich mir nicht vorstellen konnte, dass jemand aus dem Produktionsumfeld sich mit den Themen New Work und Social Collaboration beschäftigt. Hat man diesen Schritt aber einmal geschafft, dann tun sich auf einmal Chancen und Möglichkeiten auf, auf die ich vorher keinen Zugriff hatte. Was für ein Schatz in meinem Alltag!

bnb:     
WOL hat sehr viel mit Netzwerken zu tun, nicht immer nur firmenintern, sondern auch außerhalb. Wie wichtig sind für Dich in diesem Zusammenhang Soziale Kanäle wie LinkedIn oder Twitter?

Julia:    
Ich bin viel auf Twitter und LinkedIn unterwegs und nutze diese Kanäle beruflich zum Austausch mit Kollegen, die ähnliche Dinge tun oder um zu lernen, worüber gerade gesprochen wird, was gerade Themen sind, die Menschen und Organisationen bewegen. Seit ich auf Twitter aktiv bin, habe ich mir wieder mehr Fachbücher gekauft – weil ich auf einmal ein Netzwerk habe, dass solche Empfehlungen und Rezensionen ausspricht und mir aufzeigt, was es Wert ist zu lesen. Wo bekommt man so etwas schon? Informationen auf mich und meine Interessen zugeschnitten und das nur, weil ich bestimmten Menschen und Themen folge.

bnb:     
Hat WOL Einfluss darauf gehabt, wie Du Dich in den sozialen Kanälen präsentierst?

Julia:    
Sicherlich hat WOL einen Einfluss darauf, wie man sich präsentiert. Bei WOL geht es um großzügiges Teilen und Sichtbarkeit – aber nicht um die große Werbetrommel zu rühren, sondern um zielgerichtetes Teilen und Sichtbar-machen. Ich versuche alles als ein Angebot, einen Beitrag zu formulieren und nicht um meinen Markenwert zu steigern. Ich habe auch während meines ersten Circles alle für mich nicht relevanten Informationen aus sozialen Kanälen entfernt und darauf geachtet, dass ich auch als Mensch wahrgenommen werde und für was ich stehe und gesehen werden möchte.

bnb:     
Ich erinnere mich an unser letztes Interview: Hier hattest Du mal gesagt, dass Du mit WOL eine Stimme bekommst bzw. Deine Arbeit oder Du sichtbar wirst. Kannst Du das im Zusammenhang mit Deiner Präsenz in den sozialen Kanälen bestätigen?

Julia:    
Ich stelle fest, dass ich durch meine Beiträge, die für viele Menschen interessant sind, natürlich Anfragen bekomme für Vorträge oder Workshops zu den Themen Vernetzung, Digitale Transformation, Working Out Loud, etc. Das freut mich und macht mir Spaß, da ich dadurch meine Vortrags- und Workshop-Kompetenz steigern kann. Geld bekomme ich dafür übrigens keines – mir geht es allein um die Sache.

bnb:     
Ist WOL immer noch ein Thema für Dich oder ist die anfängliche Euphorie inzwischen vorbei?

Julia:    
WOL ist kein Hype, der vorbei geht. Es ist eine Entscheidung anders zu arbeiten, nämlich mit meinem Netzwerk, großzügig und transparent. So kann ich auf einen tollen Wissens- und Erfahrungsschatz meines Netzwerkes zurückgreifen und kann effektiver und effizienter arbeiten. „Don’t work harder – work smarter“ ist meine Devise, daher sollte WOL in jedem Unternehmen ein Thema werden. Wie sonst kann man relativ kostengünstig seinen Mitarbeitern ein Change-Programm anbieten, welches auf die Kompetenzen dieser Zeit abzielt, nämlich Arbeiten und Kommunizieren im Netzwerk, über Hierarchie- und Rollengrenzen hinweg. Ein Programm, dass mich befähigt Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung für mich und meine Aufgaben zu übernehmen und dabei noch hilft moderne Kommunikationswerkzeuge und Social Media dafür zu nutzen.

bnb:     
In Deinen Ausführungen zu WOL beschreibst Du häufig die Bedeutung von Sichtbarkeit, Netzwerken, Teilen, Austauschen & Unterstützen. Wir helfen B2B-Unternehmen Ihren Vertriebsmitarbeitern Fähigkeiten im Social Selling zu entwickeln. Da spielen diese Themen ebenfalls eine zentrale Rolle. Also wie kann ich durch soziale Netzwerke zu mehr Sichtbarkeit und in einen besseren und lösungsorientierten Dialog mit meinen Kunden kommen. Wie siehst Du den Zusammenhang zwischen WOL und Vertrieb bzw. Social Selling?

Julia:    
Social Selling als das WOL im Vertrieb? Das klingt spannend und ich denke es gibt definitiv Parallelen. Über soziale Medien kann ich als Vertriebsmitarbeiter Beiträge auf LinkedIn und Co. einstellen, mich an anderen Beiträgen oder Diskussionen beteiligen, mich mit Kunden und Interessenten vernetzen. Somit werde ich mit meinen Themen und meinen Beiträgen besser und breiter wahrgenommen. Außerdem erfahre ich, was gerade meine externen Ansprechpartner und deren Organisation bewegt. Somit bin ich am Puls des Kunden. Wenn man so will, ist Social Selling das „externe“ WOL zur lösungsorientierten Kundenzentrierung. Ich möchte gerne jeden Vertriebsmitarbeiter ermutigen, sich mit dem Thema Social Selling zu beschäftigen und dadurch neue externe Impulse für sich, sein Unternehmen und seine Arbeit zu gewinnen.

bnb:     
Was willst Du unseren Lesern zum Abschluss noch mitgeben?

Julia:    
Seid offen für neue Methoden der Zusammenarbeit. Gleich, ob WOL oder Social Selling. Lasst Euch darauf ein, herauszufinden, wie „anders arbeiten“ tatsächlich funktioniert und welche tolle Möglichkeiten auf einmal auftauchen, von denen ihr nicht wusstet, dass es sie gibt. Ich sage aber auch dazu, dass es ein langfristiger Lern- und Veränderungsprozess ist, der nicht nach 12 Wochen abgeschlossen sein kann. Ihr müsst also bereit sein, Euch wirklich zu verändern und Eure Arbeitsweisen den Anforderungen der heutigen Zeit anzupassen. Gerade auch im Vertrieb, bei dem sehr viel Kundenkontakt besteht und viel mit Menschen direkt kommuniziert wird, sehe ich ein großes Potential, wenn dort das Thema Social Selling stärker fokussiert wird, da hier sehr viele Parallelen zu WOL bestehen. Im Grunde veranstalte ich mit den Kunden WOL über soziale Medien.

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