Working Out Loud: Nur wieder ein Hype oder steckt da doch mehr dahinter?

Working Out LoudDerzeit in aller Munde ist die Digitale Transformation! Unternehmen und speziell deren Angestellte sollen agiler arbeiten und immer schneller sich auf Veränderungen einstellen können. Doch in der Realität ist das viel schwieriger als gesagt. Eine derzeit sehr gefragte Methode auf dem Weg der digitalen Transformation ist die Working Out Loud Methode.

Der Erfinder von Working Out Loud, John Stepper, formuliert es so:

„Working Out Loud ist eine einfache Methode, um relevante Arbeitsbeziehungen aufzubauen, die dabei helfen, ein Ziel zu erreichen oder neue Themen zu entdecken.“

 Hört sich erst einmal unspektakulär an, aber die 5 Kernelemente von WOL haben es in sich:

  1. Deine Arbeit sichtbar machen— Arbeitsergebnisse, auch Zwischenergebnisse, veröffentlichen,
  2. Deine Arbeit verbessern— Querverbindungen und Rückmeldungen helfen, Deine Ergebnisse kontinuierlich zu verbessern,
  3. großzügige Beiträge leisten— biete Hilfe an und stell Dich nicht selbst in Vordergrund,
  4. ein soziales Netzwerk aufbauen— baue interdisziplinäre Beziehungen auf, die Dich weiterbringen,
  5. zielgerichtet zusammenarbeiten— nur so kannst Du das volle Potential von WOL ausschöpfen.

Die Methode Working Out Loud gestaltet sich recht einfach:

Julia Weber, Referentin Digital Learning bei der ZF Friedrichshafen AG

Im Interview mit Marvin Schlieker von build’n’break erzählt Julia Weber, die als Referentin Digital Learning bei der ZF Friedrichshafen AG am Bodensee arbeitet, welche Erfahrung und Veränderung sie persönlich als auch beruflich mit Working Out Loud gemacht hat.

bnb: Wie lange beschäftigst Du dich schon mit WOL?

Julia:
Mit WOL angefangen habe ich Mitte des Jahres 2017, da habe ich den ersten WOL Circle initiiert und daran teilgenommen. Davor habe ich mir das Buch von John Stepper gekauft und mich eingelesen – das war dann der Startschuss für mich, den nächsten Schritt (den Circle) zu gehen.

bnb: Was war deine ursprüngliche Motivation sich mit WOL zu beschäftigen

Julia:
Ich bin schon immer ein sehr kommunikativer Mensch, hatte aber das Gefühl, das mit dem Netzwerken ist nicht so meins – einfach auf jemanden zugehen und etwas „zu verlangen“ finde ich schräg und liegt nicht in meinem Naturell. Und da ist diese Möglichkeit, von der mir einige erzählen, die das Prinzip dieses „old-school“ Netzwerkens auf den Kopf stellt und sagt, dass es um großzügige Beiträge und um den Aufbau eines persönliches Beziehungsnetzwerk geht – ganz im Sinne des Altruismus (auch wenn das vielleicht ein zu großes Wort in dem Zusammenhang ist): ich gebe, ohne einen Gegenwert zu erwarten. Ich mache mich und meine Arbeit sichtbar – ohne mich auf die Bühne damit zu stellen. Ich kann ich sein – bei der Arbeit. Klingt für mich nacheinem Konzept, dass ich näher kennenlernen musste.

bnb: Wie bist Du überhaupt auf das Thema gekommen?

Julia:
Ich bin in einem unternehmensübergreifenden Projekt dabei – dort haben die Kollegen von Bosch und Daimler erzählt, was sich mit Working Out Loud bei Ihnen verändert hat bzw. welche Erfolge sie damit in ihren jeweiligen Unternehmen haben, da bin ich neugierig geworden. Vor allem, weil jeder immer ein Lächeln im Gesicht hat, wenn er Working Out Loud erklärt – da wird man schon neugierig, was das ist.

bnb: Was findest du besonders positiv bzw. spannend an WOL?

Julia:
Die Arbeit wird wieder menschlicher – ich werde empowered meine Stimme zu nutzen, und mich nicht zu verstecken. Es geht auch nicht darum, nur „Dienst nach Vorschrift“ zu machen, sondern meine Interessen und Neigungen – unabhängig davon, was in meiner originären Stellenbeschreibung steht- meiner Organisation anzubieten. Das motiviert, weil man nicht mehr nur Frau X ist, die schon immer Y gemacht. Es tun sich damit neue Möglichkeiten, Chancen und Beziehungen auf, die man vorher nicht hatte, weil man sich und seine Arbeit nicht über die Abteilungsgrenze hinweg sichtbar gemacht hat. Was ich ebenfalls toll finde: man fühlt sich miteinander verbunden – keiner spielt ein Spiel. Alle zeigen sich so, wie sie wirklich sind und teilen ihre Erfahrungen, Erfolge und Misserfolge – man wird immer unterstützt und nicht verurteilt.

bnb: Was ist bei WOL eher schwierig bzw. hinderlich im täglichen Einsatz?

Julia:
Es sind eher die Rahmenbedingungen, die WOL behindern können – Vorgesetzte, die Angst vor Machtverlust haben, wenn plötzlich die Mitarbeiter ihre Stimme entdecken und sich und ihre Arbeit sichtbar machen.

bnb: Wie bewertest Du den Einsatz von sozialen Medien wie Twitter, Facebook und co… um mit WOL aktiv zu werden?

Julia:
Soziale Medien helfen, ein größeres Netzwerk aufzubauen, mit Menschen, die ich noch nicht kenne, und die ich ohne soziale Medien überhaupt nie kennengelernt hätte. Es ist aber kein MUSS, sich in allen sozialen Netzwerken anzumelden und diese zu nutzen. Working Out Loud funktioniert natürlich auch offline bzw. analog.

bnb: Du sagst WOL ist ein Enabler für Agilität – kannst Du das erläutern?

Julia:
Working Out Loud befähigt mich, selbstbestimmter zu agieren, ein Netzwerk aufzubauen und dieses wann immer möglich zu nutzen. Das heißt ich kann damit anders arbeiten, als vorher, da ich Zugriff auf Menschen und Wissen habe, das mir vorher verschlossen war. In einem agilen Team benötige ich diese Kompetenz und das Mindset, selbstorganisiert zu arbeiten und mit Selbstvertrauen meine Arbeit und mich zu vertreten. Sowohl Working Out Loud als auch Agilität folgen einem Ziel, einer Vision,einem Zweck – sind also nicht free-floating Ansätze, sondern folgen einer Systematik und fordern mich, aus meiner Komfortzone heraus zu treten, um anders, um besser zu arbeiten.

bnb: Erzähle in 3 kurzen Sätzen welche Erfahrungen Du mit WOL persönlich gemacht hast?

Julia:

  • Mein Netzwerk hat sich in kürzester Zeit vergrößert – ich habe so viele wunderbare Menschen kennengelernt, die mir inzwischen sehr wichtig sind und die mich auf meinem Weg begleiten. Und wir unterstützen uns gegenseitig – mal mehr, mal weniger, aber darauf kommt es nicht an. Sondern darauf, dass ich weiß, wenn ich eine Frage habe – irgendjemand sieht mich und versucht zu unterstützen.
  • Ich habe mich getraut, meine Arbeit bereits in einem unfertigen Status zu veröffentlichen und zur Diskussion zu stellen – früher hätte ich mich das nicht getraut. Aber die Wertschätzung für die Arbeit –und wenn es nur 3 Sätze in meinem OneNote sind – überwiegt und es macht doppelt so viel Spaß daran weiter zu arbeiten und die Arbeit weiterzuentwickeln und zu verfeinern.
  • Ich habe gelernt, dass ich eine Stimme habe, und dass ich mich nicht verstecken brauche – das ist wunderbar befreiend und empowered mich ungemein.

bnb: Für wen eignet sich WOL nicht?

Julia:
WOL eignet sich nicht für Personen, die nicht intrinsisch motiviert sind sich weiter zu entwickeln. Man kann niemanden zwingen sich und seine Arbeit sichtbar zu machen. Man kann aber durch Vorleben auch die Zweifler Schritt für Schritt überzeugen.

bnb: Würdest Du WOL weiterempfehlen?

Julia:
Ich würde WOL jederzeit weiterempfehlen – deswegen kümmere ich mich in meiner Organisation darum, dass Menschen, die Lust haben auf die WOL-Reise zu gehen, das auch tun können.

bnb: Wie hängt WOL aus Deiner Sicht mit der Arbeitswelt 4.0 & Digitalisierung zusammen?

Julia:
Die Fähigkeit sich zu vernetzen, sich sichtbar zu machen und großzügige Beiträge für die Organisation zu leisten sind in der Arbeitswelt 4.0 und in der Digitalen Transformation absolut notwendige Kompetenzen! Darauf kommt es in Zukunft immer stärker an – nur wenn meine Mitarbeiter und Führungskräfte verstanden haben, dass notwendiges Know-How, Erfahrungen, Wissen etc. bereits im Unternehmen vorhanden sind und ich dieses „nur“ transparent machen muss – was für einen impact eine Organisation hat. Wahnsinn (im positiven Sinn)!

bnb: Vielen Dank liebe Julia, dass Du Deine Erfahrung und Deine Expertise mit uns und unseren Lesern geteilt hast.

Weiterführende Links zum Thema:

Wenn Sie mehr über die Digitale Transformation und die Veränderungen in Bezug auf Mitarbeiter, Organisation & Kultur erfahren möchten, können Sie gerne unsere kostenlose Digitalisierungs-Checkliste downloaden. Oder treten Sie auch gerne direkt mit uns in Kontakt .

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